
Zdravstvuityeh!
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Was etwa so klingt, wie wenn ein BGAler zuviel getrunken hat und immer noch zu sprechen versucht, heisst auf russisch soviel wie Hallo oder Grüezi! Stef und ich flogen nämlich diesen Frühling nach Usbekistan, um im westlichsten Teil des Tjen Shan Gebirges mit Heli, Breitskiern und Snowboards die besten Hänge zu erobern.
Usbekistan ist ein Staat der ehemaligen Sowjetunion in Zentralasien, umgeben von Kirgistan, Kasachstan, Turkmenistan, Tadschikistan und Afghanistan. Oder anders ausgedrückt: Es liegt auf der Höhe von Rom, 7000 km östlich der Schweiz und am Arsch der Welt!

Dschingis Khan, Marco Polo und
Alexander der Grosse waren übrigens schon vor uns da, liegt doch Usbekistan an
der Seidenstrasse. So hatten wir auch spontan beschlossen, eine Kulturwoche in
den alten Städten Samarkand und Bukhara anzuhängen.
Usbekistan ist ein unbekanntes Drittwelt-Land. Eine Ärztin beispielsweise verdient gerade mal 5 $ pro Monat. Wenn man weiss, dass ein grosser Heli für Touristen 1'400 $ pro Stunde kostet, sieht man den enormen Graben. Dementsprechend gross ist die Versuchung, immer und überall irgendwie nebenbei Geld zu verdienen. So muss beispielsweise der Preis jedes Essens zum vornherein fixiert werden, weil man sonst schnell mal einen Monatslohn berappen muss...
Für 20 $ kriegt man ein grosses Bündel Noten der Lokalwährung Sum.
Wer 60 $ wechselt, hat bereits alle Taschen voll und fühlt sich wie Dagobert
Duck!
Wir wollten ja ursprünglich für zwei Wochen nach Russland, um im
Kaukasus zu boarden und in der zweiten Woche den Elbrus zu besteigen. Daraus
wurde jedoch nichts, da in der alten Sowjetunion Helikopter etwa so rar sind wie
McDonald‘s. Keine drei Wochen vor Abflug hiess es dann „nyet“, nix
Helikopter. Also hat unser Organisator Druschba Tours kurzfristig umorganisiert
und alles nach Usbekistan verschoben. Usbekistan, mit 24 Millionen Einwohnern
nicht klein, hat gerade mal drei Helikopter! Geflogen wird mit einem grossen MIL
Mi-8 Helikopter aus alten Aeroflot Beständen. Der Mi-8 ist ein 20plätziger
Brummer mit 21 Meter Spannweite und 25 Meter Länge. Man hat das Gefühl, man
sitzt in einem grossen Minibus, nur hat man drei Personen Flugpersonal und 4'000
PS!

Bedingt durch die Lage im Süden und die grossen umgebenden Wüsten
ist das Klima bereits im März sehr frühlingshaft. Wir hatten sehr viel Glück,
dass es in der Vorwoche noch mal tüchtig geschneit hat und die Verhältnisse
besonderes zu Beginn traumhaft waren.
Gegen Ende der Woche wurden die Verhältnisse immer schlechter,
besonders in den Südhängen gabs selbst auf fast 4000 Metern nur noch Firn,
Bruchharst und schweren Sulz. So gingen wir vermehrt auf die Suche nach
steileren unbefahrenen Nordhängen, Wächtensprüngen und dergleichen verrückten
Sachen.
Eine Spezialität der russischen Bergführer sind die
„Lawinenexperten“. Der Lawinenexperte fährt grundsätzlich immer zuerst in
den Hang und „prüft den Hang“, indem er ihn auf die ganze Breite
anschneidet. Ja und wenn dann nichts kommt, können alle Teilnehmer in den Hang
reinstechen. Versuchskaninchen wäre eigentlich die passendere
Berufsbezeichnung...

Am letzten Tag hat sich Stefan dann freiwillig als Lawinenspezialist
gemeldet. Zu viert stiegen sie einen Hang hinauf, der in vorherigen Fahrten
bereits mehrmals von der Gruppe gequert worden war. Beinahe am obersten Ende
ging dann der ganze Hang los und zum Glück nicht sehr weit und nicht sehr
schnell runter.
Auf einer der obersten Stollen stehend nimmt er einen Sprung und
krallt sich in den verbleibenden „fliessenden“ Hang. An ihm vorbei rauscht
es und alles geht runter inklusive seinem schönen Palmer Board!
Am Ende bleibt ein grosser Schrecken, aber zum Glück wird niemand
mitgerissen oder zugedeckt. Zurück bleibt ein rund drei Meter hoher Anriss und
ein grosser Lawinenkegel mit betonharten Blöcken drin.
Ein Vergleich mit den Personen am rechten Bildrand zeigt am besten
die Grösse.
„Let’s take the chopper, baby!“
Statt einem mehrstündigen mühsamen Abstieg ohne Brett kriegt Stef
einen Extra-Flug.
Und ach Wunder:
Ein Teilnehmer findet das Brett per Zufall einige Hundert Höhenmeter
weiter unten, unbeschädigt!
Ende gut, alles gut. Das musste natürlich gefeiert werden. Und zwar
auf russisch. Will heissen: pro Person mindestens eine Halbliter Flasche Vodka.
Die Russen saufen Vodka eh wie Wasser. Keine Wunder auch bei
Touristen Preisen von einem Dollar pro Flasche. Die Russen zahlen vermutlich höchstens
einen Drittel des Preises und saufen dafür etwa das Dreifache!
Wer nichts gegen Überraschungen hat und günstig Heliskiing machen möchte,
dem kann Usbekistan bedenkenlos empfohlen werden. Wir jedenfalls hatten eine
lustige, abenteuerliche, sportliche und interessante Zeit erlebt und würden die
Reise jederzeit wieder machen.
Rolf
Zwei interessante Links:
www. druschba.ch (Der
Organisator)
www.risk.ru (alles über russische Berge)