In den Jagdgründen der Puffotter

Südafrika 

2.11.02 bis 23.11.02


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Gerda Wälti, Kari Giger, Mini Maximus, Domi Grimm

Oh ja, das kam gerade passend: nach 9 strengen Wochen in den USA, in Südafrika etwas ausspannen, Wein trinken und die Sonne geniessen! So jedenfalls stellte ich mir unsere Süsafrikaferien vor – doch es kam alles ganz anders, naja teilweise zumindest.

Wer schon mal mit Gerdi, Kari und Mini per Flieger losgedüst war, weiss selbstverständlich, dass anstrengende Actioneinlagen an den Flughäfen dazugehören und die Nerven schon vor den gefährlichen Klettereien arg strapaziert werden können – ich war also gespannt...

Erstaunlicherweise stellte sich der erste ‚Zwischenfall’ erst kurz vor der Landung in Johannesburg ein: Kari fand das Ticket für den Weiterflug nach Capetown nicht mehr. Selbstverständlich wurde jede Tasche, jedes Mäppchen genauestens unter- und durchwühlt – kein Ticket! In solchen Situationen wird natürlich sofort ein Schuldiger gesucht:

1.   Verdacht: Gerdi, Kari hatte ihr die Tickets in Obhut gegeben, weil er sie sonst schon längst irgendwo verlegt hätte.

2.   Verdacht: Mini, er hatte das Einchecken in Zürich übernommen und nicht allen ihr Ticket zurückgegeben.

3.   Verdacht: Die Eincheck-Frau am Schalter in Zürich, anscheinend hat sie Mini nicht mehr alle Tickets zurückgegeben.

Ich hatte mein Ticket schön bei mir im Pass und schlug nun Kari vor, doch nochmals in dem seinigen nachzusehen, denn wir brauchten ja sein Ticket und nicht einen Schuldigen – Gerdi hatte umsonst Bauchschmerzen bekommen, das Ticket war in Karis Pass.

Der ansich schon so kurze Aufenthalt am Flugahfen in Johannesburg wurde durch unsere Verspätung (hat aber nichts mit Karis Ticket zu tun!) noch kürzer und wir eilten und hetzten durch die Räumlichkeiten, als wären sämtliche Zulus von ganz Südafrika hinter uns her. In aller Hast checkten Mini und ich ein und erwischten gerade noch den Flughafenbus, der uns zum Flieger brachte. Entspannt sassen wir schon bald in unseren Sitzen und hielten nach Kari und Gerdi Ausschau. Nach einiger Zeit fuhr ein nächster Bus vor, mit unseren beiden Lieben an Board und bald darauf waren wir wieder alle vereint. Gerdi war bei der Personenkontrolle hängengeblieben, wiedermal hatte sie ihre Taschenmesser im Handgepäck und da sie anscheinend den Securities nicht harmlos genug aussah, musste sie die Messer halt rausrücken. Das heisst, nur ein Messer, das zweite bemerkten sie nicht – Gerdi lächelte spitzbübisch, Kari eher vorwurfsvoll.

Um Mitternacht landeten wir in Capetown, wo uns Alec (unser Autovermieter und B&B-Anbieter) mit dem VW-Bus abholte.

 

Bei Regen und Kälte verbrachten wir den folgenden Tag an der Waterfront in Capetown, sahen uns das Aquarium an und kauften in den Touristenshops etwas Kitch ein – das konnte nicht das wahre Südafrika sein! Das Wetter besserte sich am nächsten Morgen und wir fuhren Richtung Kap, um im Klettergebiet ‚Silvermine’ in der Nähe von Muizenberg wieder in Form zu kommen. Es war noch recht kühl, doch es tat gut, den Fels unter den Fingern zu spüren, die Routen machten Spass und die Absicherung liess keine Wünsche offen.

 

Montagu

 

Bald schon zog es uns weiter ins Landesinnere, Mini hatte die Kletterführer ausgiebig studiert und die in Frage kommenden Gebiete rausgestrichen. Montagu stand weit vorne in der Hitliste, gab es doch dort viele verschiedene Sektoren mit Routen in allen Schwierigkeitsgraden.

Wir verbrachten einige Tage auf der Campingfarm ‚de Bos’ von Start und Regula Brown, die sicherlich einige von euch auch kennen . Wegen der angenehmen Wärme war das Klettern nur im Schatten wirklich ein Genuss, aber da die Sektoren verschieden ausgerichtet sind, konnte man immer schön dem Schatten nach wechseln. Ein Highlite war sicherlich die Mehrseillängentour ‚The Rave’ 6c, die ich mit Kari klettern durfte! 5 Längen 6c und eine 4a, in bestem Fels und anständig mit Bolts ausgerüstet. Dabei war die Kletterei vielfältig, technisch bis überhängend, Ausdauer und Maxkraft waren gefragt. Die letzte Seillänge (30m) war sicher 7m überhängend! Ich musste Kari versprechen, alle Längen vorzusteigen, doch wollte er natürlich mitkommen, da er sein angekratztes Image wieder aufzubessern gedachte – einige Tage zuvor meinte drum ein Zulu, dass er (Kari) wohl schon zu alt für die schwierigeren Touren sei...

 

Schlangen etc.

 

Wir wurden durch Personen und durch den Kletterführer immer wieder vor den Schlangen gewarnt, vor allem vor der Puffotter. Dieses niedliche Tierchen soll angeblich nicht nur ziemlich giftig sein, nein, es habe auch die Angewohnheit, faul auf dem Weg liegenzubleiben, und nicht wie andere Schlangen sich anständig zu verdrücken, wenn man daherkommt. Die Wege waren oft nicht klar ersichtlich, vor allem im hohen Gras und in den Büschen nicht – Gerdi liebte diese Zustiege! Doch Fehlanzeige. In dieser Beziehung waren unsere Ferien stinklangweilig, denn ausser einer überfahrenen Schlange sahen wir keine giftigen Viecher, weder Spinnen noch Skorpione, nichts, obwohl ich doch immer wieder etliche Steine umwälzte, um das Gewürm ans Tageslicht zu bringen, sehr zur Freude Gerdas, übrigens!

 

Oudshoorn

 

Die Reise führte weiter östlich nach Oudshoorn, einem grösseren Ort mit vielen Freizeitangeboten und Sehenswürdigkeiten. Doch uns interessierten weder die Krokodilfarm noch die Tropfsteinhöhle, nicht die Bikeabfahrt vom Swartbergpass, auch der Wasserfall nicht –  wir wollten klettern! Der Fels war ja voll der Hammer! Steil, scharf, gut abgesichert, Kalk wie in Südfrankreich, zum teil Sinter, dann aber auch viele Wasserlöcher und überhaupt nicht schmierig oder speckig, auch die 5c’s nicht! Ein wahrer Genuss! Die eine Wand war an die 70m hoch, die Touren so 30, 35 m lang und etwa 12m überhängend. Die Routen führten durch Tropfsteinwälder und Sinterkornflakes – megamässig!

Die Unterkunft war ganz nach meinem Geschmack: Packpackers Paradise, lockere Atmosphäre, coole Jungs, eine Bar mit Billardtisch, Gin... Jedenfalls merkte ich bald, dass Kari wohl heimlich Billard trainieren muss, ich hatte keine Chance gegen ihn – nun, vielleicht lags ja auch am Gin.

 

Port Elizabeth, Addo Elephant Park

 

Tja, drei Wochen sind eine kurze Zeit, so mussten wir bald weiter. Wir kurvten Richtung Küste, wo kilometerlange Sandstrände eigentlich zum Verweilen einluden und weiter nach Port Elizabeth.

Kari wollte eigentlich in einem feinen Restaurant Meeresspezialitäten geniessen, doch da Port Elizabeth nicht gerade übersichtlich war, landeten wir schliesslich in einem Pub, wo wir die tägliche Pizza genossen. Pizza, das bedeutete: Weisswein zum Apéro, dann Salat, ein mind. 400g Filetsteak, ne Flasche Rotwein, Dessert, Irisch Coffee. Kein Wunder, hab ich in den drei Wochen 4 Kilo zugenommen!

Am folgenden Tag wars recht trübe und regnerisch, doch das Wetter reichte vollends aus, um einige Dickhäuter vom Auto aus zu fotografieren. Viele sahen wir nicht, doch einige so nahe, dass sie erst gar nicht in den Fotoapparat passten ( ist ja auch klein, so ein Fotoapparat)! Eine Monsteretappe am Nachmittag brachte uns wieder in die Kapregion. Gerdi war am Abend so froh, dass die lange Fahrerei ein Ende, dass sie ihre Bauchschmerzen vergass und alles bis auf den letzten Krümel verspeiste, was sie zum Nachtessen bestellt hatte, man stelle sich das mal vor! (Dumm gelaufen, da ging ich wieder mal leer aus.)

 

Kleinmond

 

Kleinmond ist ein kleines Klettergebiet, schön auf einem Hügel gelegen, mit schönen Routen in gutem Sandstein. Leider war der Führer nicht mehr aktuell, doch die Routen, welche wir kletterten, waren voll plaisir. Wir besichtigten die Pinguinkolonie an der Küste und düsten weiter Richtung Kapstadt und Rocklands.

 

Rocklands

 

Die Fahrt nach Clanwilliam war eher mühsam, denn es war Wochenende. Clanwilliam ist mit seinem Stausee ein beliebtes Ausflugsziel für Wassersportler.

Rocklands ist eher als Bouldergebiet bekannt und dies zurecht! Millionen von Steinblöcke liegen oben an den Hügeln und Ebenen, dazu einige Dornenbüsche, Sand und heftiger Wind. Sportkletterrouten gibt es einige, die meisten sind so ab 6a+. Da die Boulder oft recht hoch waren und wir kein Crashpad dabeihatten, trugen wir halt die Seile zu den Felsen und pumpten uns die Arme an den langen, überhängenden Henkeltouren aus. Genial, wie Kompakt und fest Sandstein sein kann!

Routenpotential wäre noch viel vorhanden, doch leider ist es verboten, Neutouren zu bohren, so entstehen nur noch wenige neue Routen. Doch das Gebiet ist in jedem Fall ein Besuch wert, schon der wunderbaren Landschaft wegen.

 

Cape of Good Hope

 

Dieses historische Stück Land wollten wir uns keinesfalls entgehen lassen. So stiegen wir unter hunderten von anderen Touristen die Treppenstufen zum Leuchtturm empor und bestaunten die endlose Weite des Ozeans. Die Affen, die sich in den Kofferräumen der Touristen Leckerbissen ergatterten und sich vor den Steinschleudern der Parkplatzwächter hüteten waren niedlich anzusehen. Nach längeren Aufenthalten in Souvenirshops einerseits und Warten andererseits kurvten wir wieder nordwärts nach Muizenberg, wo wir eine komfortable Bleibe fanden. Wir statteten den anderen Sektoren des Klettergebiets Silvermine noch 2 Besuche ab und erkletterten den Tablemountain, bevor wir zu unserem Anfangsgastgeber Alec zurückkehrten.

 

Tablemountain

 

Zur Krönung unserer Kletterferien (was immer man auch darunter verstehen kann), stand der Tablemountain in Capetown. Er tront über der Stadt und dem ganzen Kap, die Aussicht von oben ist atemberaubend schön. Als echte Alpinisten liessen wir uns den 1.5 stündigen Zustieg in brütender Hitze natürlich nicht nehmen! Die Kletterei führte schliesslich über 4 Seillängen in artigen Schwierigkeitsgraden zum Gipfel, wobei sämtliche Stände und Zwischensicherungen selbst gelegt werden mussten. Mit Rucksack am Rücken und Gerdi am Seil kletterte ich nun diesen Berg rauf, wobei ich darauf bedacht war, ja genug Material für die Stände dabeizuhaben, was halt auf Kosten der Zwischensicherungen ging. Doch alles ging bestens, Gerdi kam nach wie ein Wiesel, so dass ich kam mit Seilnachziehen mitkam! Wow war das ne Aussicht und eine Freude oben, mitten unter den Stöckel- und Turnschuhtouristen! Gerdi und ich hatten eine Riesenfreude – Hut ab vor Gerdis Leistung, nach einer solch schweren Operation! Die Südafrikakur hat ihr offensichtlich gut getan.

Nach einem gemütlichen Rundgang und einem Glacé gönnten wir uns die Rotairseilbahn für den Abstieg, cool wie am Titlis, einfach ohne Schnee!

 

Heimreise

 

Den letzten Tag verbrachten wir bei Regen in Capetown, besichtigten das Fort, setzten uns in einen Touri-Rundgangs-Bus (no comment!) bummelten durch die Stadt, hatten Stau auf dem Weg zum Flughafen, wurden beim falschen Eingang abgesetzt, warteten auf den verspäteten Flieger, flogen durchs Gewitter, machten uns wegen der Verspätung schon auf einen längeren Aufenthalt in Johannesburg gefasst, mussten dort über die Treppe aussteigen, weil das hochbeineige Aussteige-Schlauchding des Fingerdocks zusammenbrach, hetzten wie schon beim Hinflug durch den Flughafen von Johannesburg und erwischten glücklich die Swiss-Maschine heim, in die Heimat!

 

Gerdi, Mini, Kari – dankeschön!

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