Kletterreise nach Paklenica, Kroatien

vom 12. bis 20.Oktober 2001


 

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Nach der Arbeit geht’s am Freitag Abend los, in Richtung Paklenica, zum Kletterparadies in Kroatien. Bequem findet die ganze Reisegruppe bestehend aus  Gerda, Esther, Thömi, Rolf Ralf, Kari, Franz, Fredi und Wisel im geräumigen VW-Bus Platz. Die Reise dauert nicht lange, endet sie doch vorderhand schon in Feldkirch, wo wir das Auto am späten Abend auf den Zug verladen. Die Fahrt im Schlafwagen nach Graz ist ganz schön holprig holprig. Sie erinnert sehr an die Startphase auf der Schotterpiste in Lukla, nur eben mit dem kleinen Unterschied dass es im Zug besser ist, wenn man am Boden bleibt, während es mit dem Flugzeug vorteilhafter ist in die Luft zu kommen. Jedenfalls verschafften sich diejenigen, welche einen ausgiebigen Schlummertrunk genehmigten, gegenüber den früh ins Bett gehenden Kollegen einen deutlichen Schlafvorsprung. Eigentlich bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die unfairen Kameraden ausgeschlossen werden müssen, welche sich mit Schlaftabletten dopten! So morgens um fünf Uhr wurden auch noch die letzten Anflüge von Schlaf vernichtet, als der Schaffner laut grölend von Abteil zu Abteil „Aaaufstehn, Frühstück gibt’s“ verkündete. Vermutlich benutzen nur Leute, welche an seniler Bettflucht leiden, die Österreichischen Bundesbahnen. Jedenfalls hatten wir dann rund drei Stunden Zeit, um ein trockenes Brötchen und einen Kaffee im Plastikbecher zu verdrücken. Die Frage des Bähnlers „Paaaaast’s“ erschien mir unter diesen Vorgaben recht zynisch.

 

Die Vorfreude auf warme Felsen liessen unsere beiden Fahrer offenbar alles vergessen. In zügiger Fahrt wurde Slowenien passiert. An Zagreb vorbei erreichten wir über Karlowac nach ein paar Stunden Autofahrt die Küste. Mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit wurde kein einziges der einladend aussehenden, angeschriebenen Häuser entlang der Strasse angesteuert. Auch den weltbekannten Naturpark Plitvicka mit seiner gemäss der einschlägigen Reiseliteratur beeindruckenden Wald- und Seenlandschaft nahm man nicht zur Kenntnis. Einzig unsere beiden Frauen schafften das Kunststück, die beiden Fahrer für wenige Minuten auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen und uns einen zweiminütigen „Pieselhalt“ zu gewähren. Die zerschossenen und zerstörten Häuser in der Gegend von Karlovac, die Fragmente von Hochspannungsleitungen in der Nähe eines Kraftwerks sowie der coole „Gümeler“ auf der Autobahn aber auch die Landschaft waren beeindruckend. Im Hotel Vicko in Starigrad angekommen wird sofort klar worauf es die Kaste der Stresser, angeführt durch unseren Pensionisten Fredi, abgesehen hat. Er ist nun halt eben auch Staatsangestellter und bezieht seinen Lohn (sprich AHV) seit jüngster Zeit vom Staat. In einer halben Stunde wird zum Klettern abgefahren. Rein in den Bus, 5 Minuten Fahrt bis zum Nationalparkeingang, 9 Fünftageskarten lösen, 3 Minuten Fahrt bis zum Parkplatz in der Schlucht, aussteigen und weitere drei Minuten zu den Einstiegen hetzen, anseilen und schon hatten wir den wasserzerfressenen Kalk in den Händen respektive unter den Zehen. Mich kann alles nicht aus der Fassung bringen, habe ich doch während meiner vielen Jahre im Kreise der BGA’ler gelernt, solche Entwicklungen positiv zu werten. Diese Erfahrungen und ein Lächeln in den Mundwinkeln erleichtert den Umgang mit den Rädelsführern ungemein. Die Einstiegsvariante Aanvallluhhh zeigt ihre Zähne, kann uns allerdings nicht abschütteln. Die nächste, durch verschiedenen Veröffentlichungen berühmt gewordene Seillänge Hugga wugga ist leider als Folge einer vermutlich vor kurzer Zeit im oberen Wandteil durchgeführten Felsputzaktion saumässig staubig. Nach einer weiteren Klettergartenlänge holt uns dann bereits die Dämmerung ein.Wer nun meint, der Tag sei damit gelaufen, hat sich getäuscht. Im Vicko erwartet uns ein tète à tète mit Miss Kroatia, von uns in Miss „Frank Aroma“ umgetauft, da sie sich offensichtlich auf einer Werbetour für diese bittere, schwarze Brühe befindet, welche uns jeweils am Morgen unter dem Namen „Kaffee“ serviert wird. Selbstverständlich serviert Sie jedem von uns persönlich einen Espresso, was vor allem die Augen der Männer dazu verleitet, auf Wanderschaft zu gehen. Aufmerksame Beobachter bemerken verirrte Augenpaare auf den attraktivsten Körperteilen der Miss. Im Verlaufe des Abends stellen Franz und Kari fest, dass es der hübschen Frau und der noch viel jüngeren Begleiterin sehr langweilig sein muss. Die Aufforderung zum Tanz bringt die entsprechende Bestätigung. Während Miss Frank Aroma, eine hervorragende Tänzerin, zusammen mit Franz ihre Runden dreht, verabschiedet sich die Begleiterin sehr schnell und unverhofft von Kari. Es ist müssig zu rätseln, was wohl der Grund dafür war, gibt es doch mehrere Möglichkeiten. Eine davon könnte sein, dass in Kroatien nicht so eng getanzt wird wie im Urserental.

 

 Hotel Vicko. "Nicht schlecht hä"

Es ist Ehrensache, auch nach einer langen Nacht um 8 Uhr zum Morgenessen zu erscheinen. Eine Stunde später ist Abfahrt. Für einmal bemüht sich die gesamte Mannschaft an denselben Felsen, den Anica kuk - Stup. Esthi ist vom Verhalten des männlichen Teils der jungen kroatischen Seilschaft hingerissen. Sie fordert Fredi auf, sich ein Beispiel zu nehmen, was ihr vor dem Einstieg „Küsschen rechte Wange, Küsschen linke Wange“ und noch weitere Annehmlichkeiten beschert hätte. Zudem würde in diesem Falle künftig Fredi das Material herumtragen und nicht mehr Esthi. Selbstverständlich wurde dieses Ansinnen sofort mit machomässigem Gehabe abgeschmettert. Die begeisternde Kletterei in den eindrücklichen Plattenschüsse aus hellem Kalk, die guten Absicherungen, die herrliche Karstlandschaft, der farbige Kontrast der Buchen- und Kieferwälder sowie die warme Sonne liessen auch Esther die verpasste Chance vergessen. Noch einmal zog sie an diesem Tag den Kürzeren. Fredi wollte beim Parkplatz einen Führer kaufen. Esthers Argument, dass künftig nur ein weiterer, unbenutzter Führer die Wohnung zieren würde und schliesslich genügend Führer verfügbar seien, überzeugte. Zudem sind 40 Franken für einen AHV’ler auch nicht leicht verdientes Geld. Ich bin überzeugt, Esther hätte sich diesmal durchsetzen können, hätte Thömi die Situation nicht sofort arschkalt und mit grossem, analytischen Sachverstand aus der Sicht der BGA analysiert. Eindringlich und für alle hörbar machte er Fredi auf die unabänderliche Tatsache aufmerksam, bei einem Nachgeben künftig in der alpinen Welt als Waschlappen und Weichei dazustehen. Nur zu verständlich, dass sich unter solchen Voraussetzungen einmal mehr die männliche Biertischmentalität gegenüber der voraus schauenden weiblichen Denkweise durchsetzte.

 

Am Montag kristallisierten sich dann zwei unterschiedliche Lager heraus, dasjenige der Alpinen und der Sportkletterer. Ich schloss mich Ersterem an, weshalb der Bericht etwas einseitig erscheinen mag. Der Schweiss treibende Zustieg zur Route „Velebitaski“ am 350 m hohen Anica kuk - Klin und die ab und zu auftauchenden Grasbüschel in der Route waren angesichts der steilen Superverschneidungen und -risse schnell vergessen. Die Absicherungen waren schon etwas altmodischer, aber durchaus noch sicher. Zudem konnten wir angenehm im Schatten klettern, während die Sportler vorerst im satten, auf die Düsenwirkung des Tales zurück zu führenden Morgenwind froren und später dann in der Sonne schmorten. Wie jeden Tag hatten wir uns ein „scheeenes Platte mit scheeenes Fleisch“ sowie ein kühles Bier redlich verdient. Der unermüdliche Fredi plagte sich derweil an der Beach mit den Seeigeln herum.

 

"scheeenes Platte mit scheeenes Bier"

Am Dienstag wurden dann die Rollen für einmal getauscht. Einige der Sportler schwangen sich in die Wände, während sich die Alpinen an den stotzigen kurzen Routen mit den feinen Griffen abmühten. So folgte am Mittwoch mit der „senza pieta“ am Debeli kuk - Stup, einem markanten, rund 200 m hohen Pfeiler, ein weiterer Kletterhöhepunkt. Mit einem Kaltstart der eher brutaleren Sorte ging’s schon zu Beginn recht deftig zur Sache. Dafür entschädigte der 15 m Quergang, eine Kletterei vom Feinsten. Eine Superlänge folgte der anderen, der Fels wurde stotziger und stotziger. Der luftige Höhepunkt folgte in der letzten Länge. Es macht keinen Sinn, dies hier zu beschreiben. Man muss es selbst gesehen haben. Nur so viel sei verraten, die Griffe sind perfekt. Da Alpinler ja immer auch einen Gipfel mitnehmen müssen, gab’s noch einen fünfminütigen Marsch. Man befindet sich hier in einem wirklich imposanten Amphietheater. Auch die abschreckenden Schilderungen von Karis Abseilübung vom Vortag interessierten uns nun nicht mehr und wir wählten trotz gegenteiliger Ratschläge rechts der Sedmi kontinent. Bei uns waren die Seile lang genug. auf Pendelmanöver zu Zwischenhaken in Überhängen und weitere, an BGA Rettungsübungen erinnernde Manöver, konnten wir verzichten und erstaunlich schnell erreichten wir wieder den Talboden. Ob Kari mit seinen Gedanken wohl immer noch bei der Begleiterin von Miss Frank Aroma war?

   

Am Donnerstag folgte die Route Kaca am Anica kuk - Trapez. Das unübersehbare Gras zu Beginn der Führe betrachtend, konnte ich mir vorerst nicht recht vorstellen, dass es an diesem Tag wirklich viel Gescheites zu klettern gibt. Schon bald jedoch wurde ich eines Besseren belehrt. Eine originelle Linienführung erlaubte eine wunderschöne Kletterei in einer grossartigen Umgebung. Allerdings sollte man Risse nicht verabscheuen. Am Freitag war noch der Klassiker Slovenski am Debeli - kuk Stup gefragt und mit Brot und Spiele am Kuk od Stradelin endete eine wunderschöne Kletterwoche.  

 

 

Wisel am Debeli - kuk Stup

   

 

 

Die Heimreise, welche diesmal der Küste entlang über Rieka und Lublijana zum Bahnhof in Villach führte, ist schnell erzählt. Sie ähnelte sehr stark der Hinfahrt. Ein grosser Unterschied war jedoch festzustellen: zweimal konnten wir einkehren. Wie die Aussicht auf die bevorstehende Arbeitswoche die Handlungsweise der Fahrer doch beeinflussen kann!

 

Comadreja (span. Wisel)  

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