Namibia
The big five
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Indiana Jones (von guten Freunden auch Mini genannt)
Wie bei fast allen grösseren BGA Unternehmungen entstehen
die ersten Pläne oft im Headquarter Andermatt. Verstärkt durch zahlreiche
Reisespezialisten wird stundenlang gesungen, getrunken und über exotische
Reise- und Kletterziele diskutiert. Nach einer Diashow von Luki und Sepp Inwyler
über die Wüste Namib konzentrierten sich unsere Diskussionen auf den
afrikanischen Kontinent.
Von Michel Piola erhalten wir zahlreiche Topos von Madagaskar, so dass wir lange
zwischen den zwei Zielen Madagaskar und Namibia hin- und hergerissen sind. Das
Routenangebot in Namibia ist aber ausgewogener und tönt entschieden mehr nach
Ferien. In Europa sind keine schlauen Infos übers Klettern in Namibia
erhältlich, dafür knüpfen wir via Internet und E-Mail schnell Kontakte mit
Locals und schon bald erscheinen erste Kletterbilder auf dem Bildschirm.
Anfang November fliegen wir zu fünft (Gerda, Kari, Mini,
Andrea, Stefan) in die Hauptstadt von Namibia, nach Windhoek. In grossen Teilen
Namibias spricht die weisse Bevölkerung neben afrikans auch deutsch. Dies
obwohl die deutsche Kolonialzeit in Namibia mit dem Versailler Vertrag von 1919
endete. Der Stil zahlreicher Häuser erinnert immer noch an die Kolonialzeit und
in manchen Restaurants fühlt man sich wie in einem Biergarten Münchens.
Am ersten Abend treffen wir Eckhard, einen deutschsprechenden, ausgewanderten
Südafrikaner, der uns mit einer Menge Kletterinfos versorgt. Unsere Reise
startet Richtung Norden zum Spitzkoppe Nationalpark. Mit einem Mietauto brettern
wir die endlosen geraden Strasse entlang. Ab und zu sorgt eine Giraffe am
Strassenrand oder eine Kurve für Abwechslung. Nachts sollte man nicht fahren,
weil zuviele wilde Tiere vor die Autos springen.
Bevor wir in den Spitzkoppe Park reinfahren, versorgen wir
uns mit viel Wasser und Essen. Der Spitzkoppe Park ist landschaftlich
wunderschön und nur wenig touristisch erschlossen. Die Grosse Spitzkoppe und
die Pontok Türme sind umgeben von Wüste und bieten eine einzigartige Aussicht.
Am Wochenende sind eine Handvoll Kletterer im Park, aber unter der Woche sind
wir alleine am Klettern. Es hat zahlreiche Granittürme mit Wänden von dreissig
bis fünfhundert Metern Höhe, die alle etwas ans Eldorado erinnern. Die meisten
Wände sind nicht allzu steil und plattig. Wir finden einen tollen Zeltplatz,
von wo aus wir uns die nächsten Tage einklettern. Es ist bereits sehr heiss zu
dieser Jahreszeit, wir klettern oft im Schatten. Ein paar kurze Touren sind auch
steiler und Kurt Albert’s Test piece hat dann definitiv nichts mehr mit
Reibungsklettern zu tun.

Mini freihändig am Überholen
am Sugar Loaf
Am dritten Tag starten Mini, Kari und ich sehr früh und klettern die Südwestwand der Grossen Spitzkoppe. Sie ist eine der längsten Touren in Afrika. Die Route wurde von Eckhard vor 25 Jahren erstmals angegangen und 1982 schliesslich durchstiegen. Für die damalige Zeit sind sehr wenig Haken in der Wand. Die erste Seillänge ist komplett neu eingebohrt worden und wird mit UIAA 8 bewertet. Die nächsten zwei Längen sind Handrisse, wie man sie von der Furka kennt und dann geht’s richtig los: Kaminklettern!! Die sieben oder acht Seillängen sind sehr speziell, zum Teil klettert man fünf Meter hinten im Kamin.

Kari + Mini beidhändig am Rutschen in der
1. Seillänge der Spitzkoppe SW-Wand
Nachdem ich mich an die Angriffe der im Kamingrund
nistenden Tauben gewöhnt habe, werde ich erst weiter oben wieder nervös,
glotzt mir doch ein Uhu in die Augen. Mein erschreckter Blick ist noch dümmer
als der vom Uhu, so dass dieser mir die mit Taubenmist belegten Griffe
überlässt. Die letzten vier Seillängen sind nicht mehr im Kamin und wir
bekommen die grosse Nachmittagshitze zu spüren. Die Schlüsselseillänge hat
gerade mal vier Bohrhaken. Die 8mm Schrauben sind nach dreissig Jahren sehr
rostig und haben natürlich keine Plättlis zum Klicken. Weiter oben klettern
wir hinter einen Felsbogen wie aus dem Arches Park, bevor die Route auf einem
grossen Band endet.
Mini + Kari kurz unter dem Gipfel der Spitzkoppe
Das kleine Büppi im Hintergrund ist der Sugar Loaf
Unsere Reise geht weiter in den Etosha Park. Diese riesige Geländepfanne ist
voll wilder Tiere und so jagen wir drei Tage und Nächte mit unseren Kameras
Nashörner und Elephanten. Das Ziel, the big five zu sehen, verpassen wir knapp.
Trotz nächtelangem Ausharren an den Wasserlöchern kriegen wir keine Löwen zu
sehen.
Nach einem kurzen Abstecher ans Meer nach Swakopmund fahren wir nach Omandumba.
Dieses kleine Klettergebiet ist sehr wild und abenteuerlich. Der
Grundstückbesitzer hat ständig eine Flinte dabei und auch Eckhard hat uns
genug Schlangenstories erzählt... Leider finden wir nicht alle Kletterrouten,
doch der Fels ist sehr rau und dank der tollen Landschaft haben wir trotzdem
viel Spass beim Klettern. Das Gebiet ist zum Bouldern ein Traum.
Wir machen zwischendurch einen Zweitagesabstecher in die Wüste Namib. Der
Aufstieg auf die riesigen Sanddünen von Sossusvlei muss hart erschwitzt werden.
Die Aussicht ist aber einzigartig.
Südlich von Windhoek liegt der Klettergarten Harmony. Was auf den ersten
Blick wie ein eingefrorener Bergsturz aussieht, entpuppt sich bei näherer
Betrachtung als lohnender Klettergarten. Der Sandstein ist griffig und die
Routen sind steil genug, um die letzten Muskeln warm zu kriegen. Doch weit
gefehlt, wenn Ihr glaubt, nach dem Klettern in den Überhängen die
Schwierigkeiten hinter Euch zu haben. Die Schlüsselstelle ist eindeutig auf dem
Heimweg die Passage beim grossen Affen, denn der Klettergarten ist fest in
Affenbesitz. Das alte Familienoberhaupt wacht über Harmony und lässt Besucher
nur ungern passieren. Also immer ruhig bleiben und wenn es dann brenzlig wird
und der Affe etwas möchte, unbedingt Gerdas Tipp befolgen: „Sag ihm, dass du
Migräne hast und der Affe geht wieder."
Omandumba
Nützliche Infos:
Eckhard Haber aus Windhoek ist Führerautor und informiert gerne über die
Klettergebiete. Gute Infos über alle afrikanischen Klettergebiete findet man
unter: www.climbing.sa.com. Klettern in Namibia ist im Vergleich zu Südafrika
nicht sehr populär. An Wochenenden trifft man ein paar wenige Weisse, die aus
den grösseren Städten kommen. Alle sprechen deutsch oder englisch.
In Swakopmund und Windhoek hat es kleine künstliche Kletterwände, die einem Gaswerk-Fan nur gerade ein mitleidiges Lächeln entlocken. Ein Kletterurlaub in Namibia lässt sich gut auch mit Südafrika verbinden, wenn man genug Zeit hat um nach Süden zu fahren.
Omandumba
Kleines, wildes Klettergebiet auf Privatgelände. Es
handelt sich um zahlreiche, weit verteilte Felsblöcke in bestem Granit. Der
Besitzer verlangt etwas fürs Zelten und ist sehr hilfsbereit. Grosse Vorsicht
vor Schlangen und Leoparden.
Harmony Crag
Das Sportklettergebiet von Windhoek ist in einer Talsenke eingebetet und ist vom Parkplatz in 15 Minuten erreichbar. Die 50 Einseillängenrouten sind kurz, steil, gutgriffig und bestens geboltet. Der Sandstein ist viel fester, als er auf den ersten Blick aussieht. Die Schwierigkeiten liegen zwischen 16 und 24 nach afrikanischer Schwierigkeitsskala. Führer bei mir erhältlich.
Spitzkoppe
Die Grosse Spitzkoppe ist auf Nationalparkgebiet. Das
Gelände ist landschaftlich sehr schön und sauber. Man bezahlt Eintritt und
bekommt die wichtigsten Dinge an der Pforte: Wasser, Bier, Holz. Zum Klettern
gibt es zahlreiche Reibungs- und einzelne Risstouren. Von der Einseillängentour
bis zur anspruchsvollen 15 Seillängen Tour gibt’s viel zu tun.
Der Normalaufstieg auf die Spitzkoppe weist Kletterstellen bis 18 auf und bietet
eine super Aussicht. Führer bei mir erhältlich.
Pontok
Ein ganze Gruppe von Gipfeln und Granitwänden. Die Pontok Türme sind gleich neben der Spitzkoppe und ebenfalls im Nationalpark. Die Touren sind meistens 3 bis 8 Seillängen lang. Führer bei mir erhältlich.

Tour Organisator Gerda